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Inhalt - Pädagogische Perspektiven
Pädagogische Perspektiven
(Von Dr. Thomas Bernet, Rektor Freies Gymnasium Zürich, aus dem Jahresbericht 2008/2009)
Verschiedene Studien zur Qualität des Gymnasiums haben eine breite bildungspolitische Debatte ausgelöst. Die Untersuchungen gehen auch das Freie Gymnasium Zürich etwas an, das als eine der vier staatlich anerkannten, nicht öffentlichen Mittelschulen des Kantons seinen festen Platz in der Bildungslandschaft behauptet. Gerade weil wir eine privat geführte Institution sind, haben wir alles Interesse daran, aus der Fülle der Auswertungsergebnisse, die nun vorliegen, die richtigen Schlüsse für die Zukunft unserer Schule zu ziehen. Erfreulicherweise bezeugen die Studien, dass die Schweizer Gymnasien nach wie vor gute Arbeit leisten. Es gibt also keinen Grund, den exklusiven Wert der Matura als Zugang zu praktisch allen Fakultäten der Schweizer Hochschulen in Zweifel zu ziehen. Allerdings orten die Untersuchungen in gewissen Bereichen Schwächen, die es zu beheben gilt. So sind aus der Sicht der Hochschuldozenten insbesondere Grundkompetenzen wie die Beherrschung der Erstsprache, der Umgang mit mathematischen Fragen und die Kenntnis in den Naturwissenschaften stärker zu fördern. Für ein erfolgreiches Studium ebenso wichtig sind gewisse überfachliche Kompetenzen, an denen es den Schweizer Maturanden zu fehlen scheint.
Studienanfänger erweisen sich häufig als wenig selbständig, nicht sehr belastbar und wenig an Kritik gewöhnt. Es fehlt ihnen zudem an der Fähigkeit, didaktisch nicht präparierte wissenschaftliche und literarische Originaltexte zu verstehen. Gemeinsam empfehlen Fachvertreter der Hochschulen und der Mittelschulen des Kantons Zürich den Gymnasien deshalb das kritisch forschende Denken als Schlüsselkompetenz in den Vordergrund des Unterrichts zu rücken, das selbst verantwortete Lernen zu fördern, Methoden der Texterschliessung zu üben und Schreibtrainings durchzuführen.
Wo steht das Freie Gymnasium Zürich?
Das Freie Gymnasium Zürich liegt mit seinem Bildungsangebot auf der Linie der Empfehlungen der breit angelegten EVAMAR II – Studie. Diese stellt einen positiven Zusammenhang zwischen der Qualität der Ausbildung und der Dauer des Gymnasiums fest. Da neben unserem Langgymnasium auch die Vorbereitungs- und die Sekundarklassen gymnasial ausgerichtet sind, verfügen unsere Schülerinnen und Schüler über gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium. Dies allein reicht aber nicht. Die Studienergebnisse sind für uns Anlass, die Qualität unserer Ausbildung zu überprüfen und gezielt zu verbessern. Auf der Ebene der fachlichen Kenntnisse werden wir den Austausch mit den Hochschulen intensivieren; im Bereich der überfachlichen Kompetenzen liegt uns die Förderung des selbst regulierten und eigenverantwortlichen Lernens als Schlüssel zum Studienerfolg besonders am Herzen. Hier wie dort besteht die eigentliche Herausforderung darin, die richtige Balance zu finden – zwischen fachlicher Tiefe und Breite der Ausbildung einerseits, zwischen dem Gewähren von Freiheiten und der Intensität der Betreuung andererseits. Solche Vorhaben sind im Rahmen eines Schuljahres nicht zu erreichen, sie setzen einen langen Atem voraus.