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Kunstwoche der vier BG-Gruppen im Juni 2021

  • 14. Juli 2021
  • Autor/in: Schülerinnen und Schüler aus den 4. Klassen

Die Schülerinnen und Schüler der 4. Klassen hatten eine rundum gute und vielseitige Zeit in der Kunstwoche des Fachs «Bildnerische Gestaltung» und kamen in den Genuss von diversen Workshops, Inputs in Ausstellungen, spannenden Besuchen von Profis, Architektur- und Outdoor-Kunstwerk-Entdeckungen rundum Zürich und viel Bereicherndes mehr. Dazu wurde gestalterisch geplant, entdeckt, ausprobiert, gezeichnet, gemalt, fotografiert, geschrieben, gegipst, gebaut. Drei Schüler/innen-Gruppen berichten von ihren Eindrücken aus der BG-Woche.

 

Bericht zur Kunstwoche von der BG-Gruppe bei Frau J. Dütschler

Das Thema der Kunstwoche der BG-Klasse von Frau J. Dütschler schliesst an unsere Quartalsarbeit im Unterricht des Bildnerischen Gestaltens an. Es war unser Auftrag, ausgehend von einem Gemälde, ein architektonisches Modell zu entwerfen. Der erste Schritt war es, ein Bild auszuwählen und sich durch eine Bildbeschreibung damit auseinanderzusetzen. Danach kam die Abstraktion, indem wir das Bild auf die wichtigsten Farben und Formen reduzierten. Anhand dieser Abstraktion erstellten wir 3-D-Skizzen von vorstellbaren Gebäuden. Dies legte die Grundlage für die Weiterführung des Projekts während der folgenden Kunstwoche. 

Zuerst erprobten wir verschiedene Materialien und realisierten unsere Ideen in der Form von Prototypen und Miniaturmodellen. Nach der Wahl des Hauptmaterials ging es an die Verwirklichung des eigentlichen Projekts. Der letzte Arbeitsschritt war die Festlegung der Farbgebung und Belichtung unseres Modells. Aus diesem Grund haben wir uns in der Kunstwoche schliesslich intensiv mit der Farbe in der Architektur auseinandergesetzt. 

Mit einer Architekturführung von «Architour» besuchten wir verschiedene Gebäude in der Stadt Zürich, die einen besonderen Umgang mit Farbe im Innenraum oder Aussenraum vorweisen. Besucht wurde u.a. das Schulhaus «Schär», das «Hotel Greulich» in Zürich, sowie das Gemeinschaftszentrum «Bäckeranlage». Dazu erhielten wir einen Fotografieauftrag. Dominika und Noah von der Ausstellungsvermittlung, führten uns schliesslich am nächsten Tag durch den Pavillon «Le Corbusier», welcher als ein Manifest für seine zentralen Ideen und Visionen des Architekten zu verstehen ist. Seine Architektur ist immer in Bewegung, ein Grund dafür ist die Benutzung von verschiedenen grossen Farbflächen im Innen- wie Aussenbereich. 

Eine weitere Station führte uns ins Gewerbemuseum nach Winterthur. Besucht wurde die Ausstellung «Breathing colors» von Hella Jongerius und der Workshop „Alice im Farbenland“. Wir haben raumgreifende Installationen vorgefunden, mit denen die Designerin die Wirkung und Wahrnehmung von Farbigkeit systematisch erforscht. Wir wurden durch die Ausstellung geführt und beobachteten anhand von verschiedenen Objekten Material, Licht, Schatten und die Erscheinung von Farben in verschiedensten Lichtverhältnissen. Als Schlusspunkt zum Thema Farbe in der Architektur hatten wir die Gelegenheit, unter Beobachtung von Helligkeit, Farbigkeit und Lichteinfall zu einer gezielten Inszenierung einer Stimmung praktisch zu experimentieren und diese Versuche abschliessend fotografisch zu dokumentieren. Zurück im Schulzimmer sind alle Eindrücke, Inputs und neuen Ideen sehr inspirierend als Materialfarben oder Lichtreflexionen in unsere Architekurmodelle eingeflossen und haben diese noch abgerundet.

 

Fogo - Eine soziale Siedlung für die nachhaltige Zukunft von Flüchtlingen. Bericht von Gion Potnik, Klasse G4e, zur Spezialwoche Architektur bei Frau A. Janser

Direkt am Vulkanplatz beim Bahnhof Zürich-Altstetten gelegen, bietet die Siedlung FOGO eine Kombination aus Wohnraum für Flüchtlinge und junge Erwachsene in Ausbildung. Auf dem Areal befindet sich auch innovative Gastronomie, Kleingewerbe, Kultur- und Bildungsangebote.

Das Grundstück, auf dem FOGO steht, wurde früher von einem Occasionshändler und von Fahrenden genutzt. Heute gilt es als Flussbettzone, obschon es nie ein Flussbett gewesen ist, sondern der Stadt Zürich als Bauschuttlager diente. Zukünftig will die Stadt auf dem Grundstück ein grosses Verwaltungsgebäude errichten, für das man jedoch 20 Jahre Planungszeit kalibriert. Um die Fläche zwischenzeitlich sinnvoll zu nutzen, plante die Zürcher Fachorganisation und die Stiftung «Einfach Wohnen» eine temporäre Wohn- und Gewerbesiedlung.

Der mit dem Auftrag betraute Architekt, Herr Sebastian Hoffmann bebaut das Grundstück mit alten Schiffscontainern. Dadurch kann nicht nur der Abtransport des alten Bauschutts vermieden, sondern es werden auch erhebliche Kosten eingespart. Der Architekt reiht mehrere Container neben- und aufeinander. In sechs Containern leben zwölf Personen. Alle zusammen teilen sich eine Nasszelle. Die Flüchtlinge, die dort eingemietet sind, haben alle die Aufenthaltsbewilligung B. Sie dürfen demnach in der Schweiz arbeiten oder eine Ausbildung machen. Die Bewohner der Container Siedlung leben nicht umsonst in der Siedlung, einen Teil ihres bescheidenen Einkommens dient für die Miete.

Ganz Besonders aufgefallen ist mir, dass es auf dem ganzen Platz keine Wiese gibt. Auf Nachfrage antwortete mir Herr Hoffmann, dass aufgrund der bestehenden Flussbettzone nur eine bestimmte Sorte von Kies gestattet ist und keine Wiesen. Der spezielle Kies soll das Wachstum von seltenen einheimischen Pflanzen fördern und langfristig für die Biodiversität auf dem Areal sorgen.

Durch das Kleingewerbe, welches auf dem FOGO-Grundstück betrieben wird, entsteht ein Austausch zwischen der Bevölkerung und den Flüchtlingen. Auch das hübsche Kaffee und der neue, moderne Spielplatz sorgen für ein durchmischtes Zusammenleben in der Siedlung. FOGO will explizit ein Ort für jedermann sein und durch diese gelungene Gestaltung sind dafür beste Voraussetzungen geschaffen.

 

Bericht zur Kunstwoche von der BG-Gruppe bei Frau J. Kaiser. Text von Giuliana Tini und Flynn Diener, Klasse G4e

Unsere Gruppe bekam in der BG-Intensivwoche einerseits einen Einblick in die verschiedensten Gebiete der angewandten und schönen Künste durch unterschiedliche Ausflüge zu Ausstellungen und zu einem Atelier sowie durch Referentinnen, die uns besuchten, und andererseits hatten wir die Gelegenheit, an unseren eigenen Projekten fokussiert weiterzuarbeiten (Fotografie und Illustration). Wir bekamen sehr wichtige und auch hilfreiche Tipps von der Illustratorin Anita Dettwiler vom Atelier bunterhund. Die Foto-Ausstellung How to win at photography im Fotomuseum Winterthur (wo wir zum ersten Mal eine sehr faszinierende 360° Kamera-Aufnahme aus dem 20. Jahrhundert gesehen haben) und der Besuch von der Fotografin Zoë Meyer bei uns im FGZ waren für uns eine bereichernde Unterstützung. Ausserdem machte uns Zoë Meyer klar, zu welchen Mitteln man alles greifen kann bei der Fotografie, was sich zum Beispiel in ihrer Fotoreihe von illegalen Gegenständen, die am Zoll eingesammelt wurden und dort gelagert werden, offenbarte. Dies zeigte sich auch in ihrer Fotografie Reihe von bildlichen Darstellungen verschiedener Mathematik-Formeln, die lange nicht mehr benutzt wurden.

Ebenso in Winterthur tauchten wir in die Ausstellung Breathing Colours ein in raumgreifende Installationen, die Wirkung und Wahrnehmung von Farbigkeit vermittelte. Auch andere Ausstellungen, die wir besuchten, nämlich Total Space und Raum- und Klanginstallation machten Eindruck. In der einen Ausstellung handelte es sich um Räume, welche unterschiedliche Ausstattungen hatten und alle spektakulär beleuchtet wurden. Sonst waren sie alle verschieden, ein Raum änderte je nach Lichteinfall die Farbe und ein anderer löste eine optische Illusion aus, weil er nur aus Spiegeln bestand. In der anderen Ausstellung konnte man zum einen Konstruktionen berühren, welche daraufhin Töne erzeugen und zum anderen gab es Kartonboxen, welche zitterten und dadurch einen speziellen Ton erzeugen.

Was uns alle enorm begeisterte, war die Führung des Restaurators Thomas Becker in seinem Atelier in Küsnacht. Die meisten von uns wussten zu Beginn wahrscheinlich nicht, was ein Restaurator ist - wir waren alle positiv überrascht. Wir waren sehr fasziniert von seiner Fähigkeit und Genauigkeit beim Analysieren und Lösen von Problemen und von der Tatsache, dass er mit vielen Mitteln vorgeht, um ein Bild zu untersuchen, darunter mit UV- und Infrarot-Licht, Mikroskop und sogar Röntgengeräten. Schlussendlich gab es auch noch einen Einblick ins schulinterne analoge S/W-Fotolabor sowie parallel dazu einen Urban-Sketching-Workshop mit Silvia Todesco , der auch sehr interessant war. Vor allem, weil Urban-Sketching weniger mit einer spezifischen Zeichen- oder Malweise, sondern eher damit zu tun hat, was man zeichnet: das, was man direkt vor sich sieht. Das machte es auch angenehmer, weil wir draussen gezeichnet haben. Man könnte es mit einer Art Philosophie vergleichen.

Man kann abschliessend festhalten, dass die BG-Woche sehr gelungen ist durch das abwechslungsreiche Programm und dadurch, dass sie viel Inspiration gab für die jeweilig eigenen Projekte. Die nächsten BG-Gruppen können sich definitiv auf die Kunstintensiv-Woche freuen.

 

Bericht zur Kunstwoche von der BG-Gruppe bei Frau A. Gosteli

Wie wollen wir leben? Kunst ist Leben! Kunst und Leben… Mit diesen visionären und herausfordernden Fragen wurden wir mit einem Dokumentarfilm in die Kunstwoche eingeführt. Wie nehmen wir Räume wahr, wie bewegen, verhalten, interagieren und gestalten wir unsere umgebende Umwelt ? Bei unseren Besuchen und gestalterischen Projekten ging es darum, Zugänge zu verschiedenen Bereichen von Umwelt, Kunst und Design zu bekommen, sie wahrzunehmen und darauf zeichnend, schreibend und fotografierend zu reagieren.

Unser Besuch im Museum Rietberg liess uns mit einer Vielzahl an Werken die weltumspannenden Expeditionen vom Ethnologen Frobenius um tausende Jahre in Raum und Zeit zurückblicken. Wir bemerkten, dass auch die Kunst der Moderne direkt beeinflusst war von den Eindrücken dieser Kopien von Höhlenmalereien. Giacometti, Jackson Pollock (Lee Krasner), Paul Klee, Keith Harring, um nur einige wenige zu nennen, wurden direkt von diesen abgemalten (kopierten) Werken der jungen Kunststudent!nnen inspiriert. Erschütternd festzustellen war auch, dass die Nationalsozialisten genau diese Arbeiten bei der Ausstellung «Entartete Kunst» in Dresden 1937 ausgestellt und verspottet haben.

Beim Spaziergang durch den Belvoirpark erfuhren wir von der spannenden und tragischen Geschichte der Lydia Welti-Escher, die schweizerische Version von Romeo und Julia, deren Roman von Lukas Hartmann aus der Sicht eines Dienstmädchens «Ein Bild von Lydia» geschrieben wurde. Der Spaziergang führte uns schliesslich zur roten Fabrik, wo uns die Kuratorin Thea Reifler empfangen und uns über die Entstehungsgeschichte und über ihre Arbeit als Künstlerin und Kuratorin der Shedhalle im kritischen Kunstdiskurs erzählt hat.

Um an das momentane Kunstgeschehen anzuknüpfen, reisten wir am Mittwoch nach Basel ins Beyeler Museum. Für die Installation «Life» von Olafur Eliasson wurde die Fassade zum Garten mit den grossen Fenstern entfernt. Der Teich wurde zehn Zentimeter erhöht, mit Natriumsalz eingefärbt und geflutet. Das Drinnen fliesst ins Draussen und umgekehrt. «Dieses Kunstwerk ist nicht nur für die Menschen gemacht». Mit dieser Aussage trifft Eliasson den Nerv der Zeit. Die Ausstellung reflektiert unseren Umgang über das Verhältnis von Natur mit all seinen Mikroorganismen und unserer ressourcenverschwendenden Umwelt.

Am Donnerstag besuchten wir die Ausstellung «Total Space». Diese Ausstellung machte uns Freude, da sie haptische und sinnliche Eindrücke zuliess. Zudem erhielten wir durch die Abschlussarbeiten einen Einblick in die verschiedenen Studienrichtungen an der zhdk (Zürcher Hochschule der Künste). Leider waren sämtliche Ausstellungen coronabedingt nur online zugänglich. Mit einem Besuch des Löwenbräu-Kunstareals hatten wir die Gelegenheit, die Abschlussarbeiten der Bildenden Kunst in den von Gianni Jetzer kuratierten Ausstellungsräumen zu besuchen. Diese Einblicke und unsere eigenen gestalterischen Arbeiten haben uns in eine vielseitige, spannende und abwechslungsreiche Welt der Kunst und Architektur entführt, in der wir horizonterweiternd abgelenkt wurden von den anstehenden Prüfungen der kommenden Wochen.