Hauptinhalt

«Als wir das Schulhaus für uns allein hatten». Ein besonderes Jahr am FGZ

  • 19. August 2020
  • Autor: Leon-Maria Simoncini, V5

Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, wie ich beginnen soll. Mir schwirren gerade so viele Gedanken durch den Kopf, wenn ich an das vergangene Schuljahr denke. So viel Neues begegnete uns dieses Jahr. Allerdings Lernen war immer die erste Priorität. Ich möchte hiermit aber nicht sagen, dass uns V5-Schülern gleich zu Beginn ein Eimer mit bitterkaltem Wasser über den Kopf geschüttet wurde. Nein, nein! Anfangs gab es eine gewisse Eingewöhnungsphase. Diese Eingewöhnungsphase gab einem Zeit, nicht nur seine  Klassenkameraden und die neue Lehrerin näher kennen zu lernen und bereits ein paar Freundschaften zu knüpfen, sondern sie gab einem auch die Möglichkeit, die neue Schule zu erkunden. Es war wie, in die verborgene Stadt Atlantis einzutauchen und die farbenfrohen Fischschwärme und die wundervollen Korallen zu bestaunen. Denke mal nur an die grossartigen Kunstarbeiten der Grossen, die in den Fluren hängen, wo dir beim Betrachten fast die Spucke wegbleibt. Aber so schön wie alles glänzte, zugegebenermassen zwischen den fast doppelt so grossen Maturanden fühlten wir uns wie die kleinen Kindergärtner. So klein, unbeholfen und unbedeutend kamen wir uns vor. Dieses Gefühl verfolgte uns aber nur ein gutes halbes Jahr, bis die überraschende Wendung kam und fast alle Schüler aus dem Schulhaus verschwanden (aber an späterer Stelle mehr dazu.) Zwischen den schon fast erwachsenen Maturanden und den kleinen, noch unerfahrenen V5-Schülern prallen zwei komplett unterschiedliche Welten aufeinander. Obgleich wir alle so unterschiedlich sind, haben wir alle dasselbe Ziel:  “Wir wollen lernen!”

Apropos lernen: Ende Oktober wendete sich das Blatt. Frau Cavara zog die Wendeschraube nun feste an und wir wurden nun täglich unter die eiskalte Dusche gestellt und erarbeiteten uns hart mit Feuer und Eifer die bestmögliche Ausgangslage für die Aufnahmeprüfung im April 2020. Die anstehenden Tests wurden immer komplizierter und kniffliger, der Lernstoff stieg an und an manchen Tagen war die Stimmung in der Klasse etwas angespannt und gereizt. Dazu kamen noch ein Dutzend Hausaufgaben, die einen noch mehr einschränkten. Dennoch war dies eine gute Zeit, in der wir viel Erfahrung für unser zukünftiges Leben gesammelt haben. Denn nichts kommt von allein. Einerseits konnten wir uns so mehr Wissen aneignen und wir hatten die Möglichkeit auch zu sehen, wo wir noch gründlich einen Zahn zulegen sollten. Andererseits macht es auch ab einem gewissen Grad Spass, knifflige Textaufgaben zu lösen oder sich wichtige Daten für ein besonderes, geschichtliches Ereignis einzuprägen. Dies ist die Methode des FGZs, um seine Schüler auf Vordermann zu bringen. Tja, ohne Fleiss kein Preis. Doch jetzt nahte der entscheidende Endspurt. Die Aufnahmeprüfung war plötzlich so zum Greifen nahe, aber dann kam alles anders.

Ausgerechnet in der heissen Phase nach den Sportferien, in der die Aufnahmeprüfungskandidaten auch noch am Samstag einen Kurs besuchen, musste der Coronavirus über uns herfallen. Da sassen wir nun alle in der Tinte. Für viele Leute war dies eine schlimme, ja sogar deprimierende Zeit! Auf dem Schulweg im Zug trugen nun alle Schutzmasken und jeder versuchte, sich möglichst weit entfernt von den anderen Fahrgästen zu setzen (und dabei wohl oder übel auf ihre heiss geliebten Sitzplätze verzichten zu müssen.) Eigentlich erstaunlich ist, dass die Menschheit erst jetzt in so einer brenzligen Lage begreift, wie man sich ordentlich die Hände wäscht und dass uns bewusst wird, was so eine Krise für Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft hat. Aber nun zurück zur Schule. Noch lief der Unterricht ganz nach Plan, aber wir wurden so langsam auf den Ernstfall vorbereitet. An einem sehr energischen und besonders relevanten Projektmorgen (für die nächsten sechs Wochen), wurde uns gezeigt, wie wir im sogenannten “Fall der Fälle” von zu Hause unterrichtet werden. Wir alle wussten, wenn jetzt nicht aufgepasst wird, und wir nicht ordentlich die Ohren spitzen, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch nicht gering, von Frau Cavara ganz schön den Kopf gewaschen zu bekommen. Jeder von uns war darauf gefasst, dass durch die ansteigende Zahl Coronainfizierte die Schule und Büros schliessen und alles von zu Hause stattfindet. Man will es jetzt bestimmt kaum glauben, aber die Prophezeiung hat sich erfüllt. Einige erlitten mehr oder weniger einen Schock als ihnen zu Ohren kam, dass der Unterricht von nun an zu Hause stattfindet. Andere freuten sich tierisch, zu Hause faul im Bett ausschlafen zu können. Nun gab es jedoch auch kolossal viele Nachteile an dem ganzen Fernunterricht. Für den Grossteil unserer Klasse war es bestimmt undenkbar, seine Klassenkameraden auf unbestimmte Zeit nicht mehr zu sehen. Auch für die Lehrer war dies eine grosse Herausforderung. Schülern nachzurennen, die nicht zuverlässig ihre Arbeiten ablieferten oder sich ständig auf diese ellenlangen Calls vorzubereiten und dann noch erst haufenweise an gelösten Aufträgen zu korrigieren, war bestimmt auch nicht leicht. Bedauerlicherweise musste an manchen Tagen auch noch die Internetverbindung seinen Geist aufgeben, sodass man praktisch den ganzen Tag vor dem Bildschirm klebte. Natürlich war es auch mal etwas Neues, nicht wie an jedem Morgen, in aller Hergottsfrühe von einem schrillem Sirenengeheul deines Weckers aus dem Schlaf gerissen zu werden und oben drauf den weiten Schulweg zu umgehen, aber dennoch lag es uns aus einem bestimmten Grund besser, live in einer Klasse vor einem Lehrer zu sitzen und sich so den Lernstoff in seine grauen Zellen zu pressen, anstatt alles von zu Hause zu erledigen. Vermutlich fiel es uns leichter, im FGZ unterrichtet zu werden, da wir es uns anders nicht gewohnt waren. Letztendlich mussten wir uns aber die nächsten sechs Wochen damit abfinden. Einen Vorteil gab es trotzdem an der ganzen Epidemie. Und zwar wurde erstens die mündliche Aufnahmeprüfung dieses Jahr ausgelassen und die schriftlichen Tests verschoben. So blieb uns noch etwas Zeit für die Vorbereitung übrig. Schliesslich konnten wir diese Aufnahmeprüfung aber dennoch nicht bis Ende Schuljahr vor uns herschieben.

Nach der fünften Woche Fernunterricht wurde die Bekanntgabe auch freigegeben, dass alle VK-Klassen wieder im FGZ unterrichtet werden, fand auch gleich in der ersten Schulwoche nach dem Fernunterricht die Aufnahmeprüfung statt. Wie genial! Das ganze Schulhaus für uns alleine. Da ja jetzt nur noch drei Klassen im Schulhaus unterrichtet wurden, hatten wir nun das Zepter in der Hand. Man verspürte aber noch eine kleine Veränderung. Die gesamte Klasse blühte auf. Und damit meine ich wirklich, sie blühte auf. Vielleicht lag es daran, dass wir uns nun schon eine Weile kannten und so jetzt bei jedem einzelnen seine Charaktereigenschaften zum Vorschein kamen und so sich ein gewisser Zusammenhalt in der Klasse bildete. Es kann aber auch nur sein, dass alle froh waren, wieder das Schulhaus betreten zu dürfen und dass einfach wieder ein mehr oder weniger normaler Unterricht einkehrte. Es bildete sich nicht wie üblich Stau auf den Gängen und das beständige Geschnatter verstummte. Und eine Leere. Wir konnten nun endlich mal in aller Ruhe die mächtigen Haigebisse, die im Eingang ausgestellt sind, betrachten und die sich geschmeidig schlängelten Schlangen begutachten. Vielleicht mal durch die eine oder andere Tür spähen und diese durchgehende Ruhe im FGZ (die sonst nie vorhanden war) einfach geniessen. Einen Nachteil trug das Ganze jedoch dennoch mit sich. Da die Lifte wegen der Abstandsregel von zwei Metern immer noch einzuhalten galt, wurden dummerweise die Aufzüge gesperrt. So mussten wir uns täglich alle sechs Stockwerke hochschleppen und wenn man dann dachte, man hätte schon die ersten vier Stockwerke bewältigt, waren es doch nur zwei. Aber das war noch lange nicht alles! Wir durften auch nur eine bestimmte Toilette, die im fünften Stock, benutzen und wenn man mal nach dem Mittagessen kurz auf die Toilette gehen musste, dann war die im fünften Stock für dich vorgesehen. Jetzt strömten aber auch keine Schüler mehr dicht gedrängt die Treppen hinunter zur Mensa, sondern wie bei einer Parade alle zwei Meter Stück für Stück zur Essensausgabe. Das war hart, denn wenn dein Magen sich bereits mit einem grollenden Knurren bei dir beschwerte, musste man dennoch geduldig Schlange stehen. Dies war wahrscheinlich die ruhigste und idyllischste Phase in meinem ersten Jahr am FGZ. Deshalb möchte ich mich besonders bei meinen Lehrern bedanken, die mich und meine Klasse in diesem besonderen Schuljahr unterrichtet haben.