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"Bücher sind dazu da zu verstören" – Eröffnung der neuen Bibliothek am FGZ

  • 23. November 2016
  • Autor: KD

Wenn vom Schreiben die Rede ist, muss auch übers Lesen gesprochen werden, und wenn das Lesen im Mittelpunkt steht, ist man nicht mehr weit entfernt von einer Bibliothek oder man ist eben mitten drin: in der neuen Bibliothek des FGZ. Und in ihr zwei Männer, die virtuos und scheinbar mühelos mit Sprache umgehen, die erzählen, beschreiben, analysieren, die unterhalten: Manfred Papst (Ressortleiter Kultur der „NZZ am Sonntag“) und Prof. Dr. Michael Hagner (Lehrstuhl für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich).

Geistreichere Redner hätte sich das FGZ für diesen Eröffnungsanlass nicht wünschen können. Ersterer beschrieb die Vielfalt des Berufs des Kulturjournalisten und die Herausforderungen und gesellschaftlichen Verpflichtungen, die dieser mit sich bringt, sprach über die verschiedenen Formen des Schreibens und auch über die Wichtigkeit einer (vorzugsweise humanistischen) gymnasialen Ausbildung. Letzterer ging auf die Bedeutsamkeit des immer wieder totgesagten, aber aus unserer Kultur nicht wegzudenkenden Buches ein, ohne dabei die digitalen Medien zu verteufeln, und auf das Lesen überhaupt, da ohne Lesen kein Schreiben möglich sei. Unabhängig voneinander betonten beide, dass viel Lektüre zur Ausbildung einer Distanz beitrage, die dem Menschen erst den Zugang zur eigenen Welt eröffnet. Diese Distanz erreiche nur, wer sich auf neue (Bücher)Welten einlässt und sich von seiner eigenen Welt entfernt - und allenfalls „verstört“ zurückbleibt (Michael Hagner).

Hochgestimmt und keinesfalls verstört war das Publikum nach Ende der beiden Reden. Sinniger Abschluss der Eröffnung war eine Podiumsdiskussion zum Thema „Schreiben(d) lernen“, an der auch die Schüler Anna Buchbauer und Schahin Bajka aus der O53 sowie der Mathematiker Dr. Thilo Schlichenmaier teilnahmen. Christine Aerne, Romanistin und Mitglied der Steuergruppe, führte kompetent und charmant durch die Gesprächsrunde.