Hauptinhalt

FGZ im Gespräch vom 21. März 2018: Besuch von Prof. Valerio Mante bei den Oberstufenklassen

  • 09. April 2018
  • Autor: LN

Seit langem gilt die Frage der Tierversuche als ethischer Prüfstein der Naturwissenschaften. Was ist dem Menschen erlaubt, wenn er sich auf den Weg macht, seinen Drang nach Erkenntnis zu stillen? Welche Grenzen muss er respektieren? Inwiefern sind Forscher für ihre „Versuchskaninchen“ verantwortlich?

Nachdem sich beide Klassen des Ergänzungsfachs Philosophie eingehend mit zeitgenössischen Positionen der Tierethik beschäftigt haben, sind sie bestens vorbereitet auf den Besuch von Herrn Professor Valerio Mante, Leiter einer Forschungsgruppe am Institut für Neuroinformatik der Universität Zürich. Unter anderem leitet Professor Mante Versuche an Rhesusaffen, die zeitweise im öffentlichen Gespräch gestanden sind. Die Versuche untersuchen neuronale Prozesse, die im Gehirn der Primaten Vorgänge der Entscheidungsfindung begleiten. Alle Klassen der Oberstufe folgen dem spannend gestalteten Vortrag, der abwechselnd Grundlageninformationen und anschauliche Dokumentationen präsentiert. Gleich anfangs packt Professor Mante die heissen Eisen in differenzierter Weise an. Er plädiert für einen ethischen Vorrang des Menschen, indem er die unmenschlichen Konsequenzen anderer Positionen vor Augen führt. Gleichzeitig zeichnet er für die Versuchspraxis einen Kompromiss auf, der sowohl die Freiheit der Forschung achtet wie die Wahrnehmung echter Verantwortung für die Labortiere gewährleistet. Anhand von packenden Videofilmen werden uns medizinische Erfolge seiner Forschungsrichtung vorgeführt, insbesondere bei Paraplegikern und Parkinsonkranken. Einblicke in den Käfig der Rhesusaffen zeigen uns durchaus lebenslustige Tiere. Dem Vortrag entsprechend ist die anschliessende Fragerunde angeregt: Wie schwer ist das, was den Versuchstieren zugemutet wird, zu werten? Muss (im Sinne Peter Singers) das Interesse nicht zu leiden, nicht bei allen Lebewesen gleichbehandelt werden? Warum können die Versuche nicht an Menschen durchgeführt werden? Wie steht es mit der Missbrauchsgefahr? Gibt es Pläne, die Forschung auszuweiten? In welchen Bereichen der Medizin können weitere Fortschritte erwartet werden? Bis zum Gongschlag stellt sich Professor Mante den Fragen, die von der regen Anteilnahme der Schülerinnen und Schüler zeugen.

Herrn Professor Mante sprechen wir am Ende der Veranstaltung mit kräftigem Applaus unseren warmherzigen Dank aus. Diese Begegnung wird den Oberstufenklassen als Sternstunde in Erinnerung bleiben.