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FGZ im Gespräch zu "Brexit – Vom Empire zum Drittlandstaat?"

  • 30. November 2016
  • Autor: TG

“Ein kluger Mann macht nicht alle seine Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance” – mit diesen Worten Winston Churchills eröffnete der ehemalige britische Honorarkonsul für die Nordostschweiz und Ehrenvorstandsmitglied der britisch-schweizerischen Handelskammer Roger N. Balsiger seine Ausführungen zum hoch aktuellen und je länger, je mehr mit noch mehr Fragezeichen behafteten Thema ‘Brexit’.

Um wenigstens ansatzweise zu verstehen, was die Mehrheit der Briten genau dazu bewogen hat, im Referendum vom historischen 23. Juni dieses Jahres ein “leave” zu stimmen, müsse schon etwas Seelenforschung betrieben werden, so Balsiger. Was er damit meinte, demonstrierte Balsiger der beinahe voll besetzten Aula mit grosser Sachkenntnis, sprachlicher Eloquenz und argumentativer Klarheit – gespickt mit einer angenehmen Prise britischen Humors. Bei diesem Einblick in die englische, oder besser gesagt britische Seele vermochte Balsiger seinem aufmerksamen Publikum mit zahlreichen, teilweise sehr lebendigen Beispielen aus Geschichte, Kultur, Soziologe und Politik der Briten aufschlussreich aufzuzeigen, dass der Blick zurück nicht nur eine Erklärung für das Warum bieten kann, sondern auch dazu befähigen vermag, einen Blick nach vorne zu werfen – also einmal mehr ganz im Sinne von Churchills “Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen”. Für den Fall ‘Brexit’ bedeutete das für Balsiger, dass die von der Idee der Freiheit durchdrungene britische Seele, die sich nie als echte Europäerin verstand und dementsprechend auch ihre Beziehung zu Europa und zur EU gestaltete und pflegte, mit dem ‘Brexit’-Entscheid in Zukunft zwar deutliche und teilweise auch düstere Konsequenzen zu erwarten habe, sich aber gleichzeitig ganz im Stil des britischen Pragmatismus als zäh, widerstandsfähig und wohl auch verhandlungstüchtig erweisen werde. Aber das, so Balsiger, sei nur eine Einschätzung, denn ganz in der englischen, pardon britischen Tradition gelte auch hier “You don’t have to follow me”.