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Präsentationen ausgewählter Maturarbeiten

  • 05. Februar 2016

Die Maturitätsarbeit. Sie ist gleichsam das «Gesellenstück» (Rektor Thomas Bernet) der Maturität. Mit ihr wird die Ernte eines Arbeitsprozesses eingefahren, der sich über ein ganzes Jahr erstreckt und die angehenden Maturandinnen und Maturanden mit Herausforderungen konfrontiert, die weit über das bisher Erfahrene hinausgehen. Wenn im Foyer des FGZ schliesslich die 66 Exemplare des diesjährigen Maturandenjahrgangs zur Ansicht ausliegen, ist es auch wieder Zeit für den Höhepunkt und zugleich Abschluss der ganzen Kampagne: die Präsentation ausgewählter Maturitätsarbeiten, die Zeugnis ablegt vom Engagement und von der Leidenschaft der Autorinnen und Autoren und einen Einblick ermöglicht in die vielfältige Themenwelt der Arbeiten.
Es wird dem Auditorium einiges an intellektueller Disziplin und Stehvermögen abverlangt, wenn es den acht Referent/innen über je eine Viertelstunde hinweg folgen will – und tatsächlich vergeht die Zeit wie im Fluge, und erst im Anschluss an die abschliessende Präsentation von Melina Giagiozis zu «Menschenhandel und Zwangsprostitution in Zürich» weicht die konzentrierte Stille in der Zuhörerschaft dem verdienten Applaus für die acht Referent/innen, die aus den Händen des Präsidenten des FGZ-Ehemaligenvereins, Mischa N. Vajda, eine Anerkennungsgabe entgegennehmen dürfen.
«Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren» – auf diesen Nenner könnte man die Ausführungen von Lucas Hermann über «Mentale Stärke im Fussball» bringen, eine Weisheit, die wirkungsvoll unterstrichen wurde durch eine persönliche Videobotschaft des brasilianischen Fussballstars Kaká. Seine Präsentation zu «Football Industry and Homophobia» wollte Anthony Bauer als Plädoyer gegen die vielfältige Diskriminierung homosexueller Spieler im internationalen Fussball verstanden wissen. Mit medizinischen Themen beschäftigten sich gleich zwei Autorinnen: Während Carolina Mazzola die Ursachen für die in unserem Land noch allzu wenig verbreitete Blutstammzellspende präsentierte («An analysis of the lack of registered blood stem cell donors in Switzerland») – sie hatte dazu nicht weniger als 250 Fragebogen ausgewertet –, beschäftigte sich Julia Wanner mit verschiedenen Aspekten der jüngsten Ebola-Epidemie, darunter die Berichterstattung in Online-Medien, aber auch die diesbezüglichen infrastrukturellen Anpassungen am Universitätsspital Zürich.
In einer stabilen Politik – unsere Konkordanzdemokratie kennt keine abrupten Regierungswechsel und ist politisch weitgehend krisenfest – und in einem funktionierenden Rechtsstaat sah Virginia Follonier zwei Garanten für den erfreulichen Wohlstand unseres Landes, und Marlen Kühn zeigte anhand diverser Produkte auf, mit welchen Marketingstrategien Grossverteiler versuchen, unsere Kaufprozesse zu beeinflussen. Den Höhepunkt der Präsentationen bildete – so viel subjektives Urteil sei erlaubt – Flurina Riglings ebenso liebevoller wie professioneller Forschungsbericht zu den Wachstumsstrukturen auf Burgundertrüffelwarzen, deren «Jahrringcharakter» mit ausgeklügelter wissenschaftlicher Methodik analysiert wurde.
Die neben interessierten Vertretern der Lehrer- und Elternschaft komplett versammelten Schüler/innen der fünften Klassen mochten den kompetenten und souverän dargebotenen Präsentationen mit gemischten Gefühlen gefolgt sein: Bei so manchen wird sich in die anerkennende Bewunderung ein mulmiges Gefühl gemischt haben, stehen sie doch gerade ganz am Anfang der Strapazen, die mit dem Verfassen einer Maturitätsarbeit verbunden sind.