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«Love over Fear» – mein Sozialpraktikum bei youngCaritas

  • 24. Februar 2020
  • Autor: Tara Kubik, Klasse G5f

Heute sind mehr als 65 Mio. Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung, davon suchten im Jahr 2019 circa 15’000 Asyl in der Schweiz (www.amnesty.ch ). Für unsere Generation in Europa sind Krieg und Verfolgung glücklicherweise Themen, die wir nur aus Erzählungen kennen und die heute ganz weit weg erscheinen – dabei ist die Flucht meiner Urgrosseltern im Zweiten Weltkrieg oder meines Grossvaters 1956 aus Ungarn in die Schweiz gar noch nicht so lange her. Heute stehen wir in der Schweiz auf der anderen Seite und die Asylpolitik wird stark und zum Teil kontrovers diskutiert. Man vergisst dabei gerne, dass es sich dabei nicht nur um Zahlen und Statistiken, sondern um Menschen mit Einzelschicksalen handelt.

Migration ist also ein wichtiges Thema. So kam ich auf youngCaritas (www.youngcaritas.ch), entschied mich, dort meinen Sozialeinsatz zu absolvieren, und bekam einen Einblick in die Angebote und Projekte der Caritas. Das Hilfswerk Caritas Schweiz ist ein eigenständiger Verein mit Sitz in Luzern und Mitglied des internationalen Caritas-Netzwerks, welches weltweit in über zweihundert Ländern tätig ist. Caritas Zürich setzt sich für armutsbetroffene Familien sowie für Asylsuchende im Kanton Zürich ein. YoungCaritas spricht hierbei Freiwillige im Alter von 16 bis 30 Jahren an, die sich für soziale Gerechtigkeit und eine faire Welt engagieren möchten. In der „Vienna Declaration on youngCaritas“ heisst es dazu: „Wir glauben daran, dass Jugendliche die Gelegenheit haben sollten, sich für Solidarität und soziale Gerechtigkeit zu engagieren.“ Aktuelle Schwerpunktthemen von youngCaritas Zürich sind Nachhaltigkeit, Armut und eben Migration und Flucht, das Thema, welches ich für mein Praktikum ausgewählt habe. Bereits im Dezember konnte ich bei einem „Taste the World“-Anlass, den die youngCaritas einmal im Monat organisiert und bei dem Freiwillige und Geflüchtete gemeinsam kochen, mithelfen.

Um die Mittagszeit trafen wir uns, um den Ablauf des Tages zu besprechen. Dann gingen wir los, um die Asylanten aus dem Bundesasylzentrum Duttwilerareal und dem Durchgangszentrum Regensbergstrasse in Oerlikon abzuholen. Gemeinsam planten wir, was wir kochen wollten. Während einige Teilnehmer die Zutaten einkaufen gingen, verzierten wir mit den übrigen Asylanten gemeinsam Weihnachtsguetzli und spielten zum Beispiel UNO, ein Spiel, das einige gar nicht kannten. Da wir uns mit vielen nur mit Zeichensprache verständigen konnten, waren die Regeln gar nicht so einfach zu erklären. Die anfangs sehr zurückhaltenden Flüchtlinge tauten nach und nach auf, und es wurde richtig lustig.

Am frühen Nachmittag fingen wir dann an, verschiedene Gerichte aus den Heimatländern der beteiligten Personen, die aus Angola, dem Iran, Irak und aus Syrien kamen, zu kochen, z.B. Baba Ganoush oder Spiegeleier auf Tomatensauce. Fotos der leckeren und wunderschön angerichteten Speisen konnte ich auf dem Instagram-Account der youngCaritas posten. Die Stimmung war gut, wir hörten traditionelle Lieder, die die Asylanten aussuchten, und es wurde sogar dazu getanzt. Am Abend setzten sich dann alle, etwa 30 Personen, zum Essen gemeinsam an einen grossen Tisch.

Danach verabschiedeten sich die Asylanten von uns. Ich hatte den Eindruck, dass sie Spass hatten und dankbar für die Möglichkeit waren, ihre einheimischen Gerichte zu kochen und gemeinsam zu essen. Wir Freiwillige blieben noch, um abzuwaschen und aufzuräumen. Ich fand es ein sehr schönes Erlebnis, da ich einen Einblick in verschiedene Kulturen bekommen habe und einmal sehen konnte, was für ein Leben Asylanten aus verschiedenen Ländern in der Schweiz führen.

In meiner eigentlichen Sozialwoche bekam ich einen Einblick in die tägliche Arbeit im Büro der youngCaritas. Ich half ausserdem einen Tag im Caritas-Markt mit, in dem Menschen mit minimalem Einkommen vergünstigte Lebensmittel einkaufen können, und hatte die tolle Möglichkeit, ein kurzes Interview mit Priska Alldis zu führen, einer Expertin für Flucht und Migration bei der Caritas.

Ein Höhepunkt für mich war die Organisation eines Kuchenverkaufs am FGZ, um den „Taste the World“-Anlass weiter zu unterstützen, da mir dieser sehr gut gefallen hatte und ich sehen konnte, wie die Asylanten den Anlass genossen hatten. Hierfür hatte ich die Unterstützung von Herrn Cradock und der Klasse G1c, die ich bereits vor meinem Praktikum über youngCaritas und die geplante Spendenaktion informiert hatte.

Am Montag designte ich im Büro der Caritas – und im Kampf mit dem Photoshop-Programm – einen eigenen Flyer für unseren geplanten Event. Am Mittwoch backte ich dann zusammen mit mehreren Schüler/innen der G1c grosse Mengen an Kuchen und Muffins. Von anderen Schülern kamen weitere Backwaren dazu. Am nächsten Tag verkauften wir diese am FGZ und in der Umgebung des Schulhauses. Dank der tollen Unterstützung der Klasse, aber auch von Seiten der Schulleitung, des Hausdienstes und diverser Lehrer wurde der Kuchenverkauf zu einem riesigen Erfolg. Wir sammelten genug Geld, um zwei „Taste the World“-Anlässe zu finanzieren.
Beim Verkauf verteilten wir auch Flyer sowie Armbänder mit dem youngCaritas-Motto „Love over Fear“. Ich finde, dass „Taste the World“ genau dazu beiträgt. Es ist eine Möglichkeit, die Angst vor dem Unbekannten zu verlieren und fremde Kulturen und Bräuche schätzen und lieben zu lernen.

Die Erfahrungen, die ich bei der youngCaritas gesammelt habe, werden für mich eine bleibende Erinnerung sein. Das Praktikum war wirklich ein tolles Erlebnis, und ich würde es jedem weiterempfehlen!