Franz Hohler am FGZ
Am 19. Mai blickten hundertsechzig jugendliche Augenpaare erwartungsfroh auf die Bühne des FGZ. Statt Unterricht war der bekannte Autor und Bühnenkünstler Franz Hohler angesagt.
Am 19. Mai blickten hundertsechzig jugendliche Augenpaare erwartungsfroh auf die Bühne des FGZ. Statt Unterricht war der bekannte Autor und Bühnenkünstler Franz Hohler angesagt.
Martin Müller
Lehrer für Latein und Griechisch
19. Mai 2026
19. Mai 2026
«Aber der ist doch uralt!», werden nicht wenige gedacht haben. Doch kaum trat der Dreiundachtzigjährige ins Rampenlicht, waren alle Bedenken verflogen. "Vom Weltuntergang zum Totemügerli" lautete der Titel des Programms. Davon war zunächst wenig zu hören. Franz Hohler sprach, las und sang über die Sprache: von einem mythischen Volk, dessen Sprache nur zwei Wörter hatte, über die Entstehung und über das Erlernen von Sprache.
Dazu gab es Mundartübersetzungen von Gedichten aus dem romanischen Sprachkreis. Etwa Luisa Famos’ Verse: «I chatscha di / Cun bratscha nüda / Sainza pais / Il di / Brancia / La not»; sie klangen bei Franz Hohler so: «Es taget / Mit blutten Arme / fäderliecht / der Tag / wo d Nacht / umarmt». Als eine Schülerin Franz Hohler fragte, welche seine Lieblingssprache sei, antwortete er: «Uhh, das ist schwierig zu sagen; denn wie viele Sprachen jemand spricht, so viele Herzen hat er.»
Für Franz Hohler ist die poetische Sprache ein Instrument, um die Welt und die Menschen zu erforschen. Nicht nur die Wissenschaften, auch die Poesie kann mit ihren Mitteln bedeutsame Erkenntnisse vermitteln. Den Beweis dafür lieferten seine amüsanten und tiefgründigen Schöpfungsgeschichten.
Franz Hohler ist ein Künstler, der in politischen und gesellschaftlichen Fragen Stellung bezieht. Seine Übersetzung von Boris Vians Ballade ‘le déserteur’, sein Gegenvorschlag zur Masseneinwanderungs-initiative und seine Ballade vom Weltuntergang sind schon vor Jahrzehnten entstanden, doch sie beeindruckten das Publikum wieder durch die klare Haltung ihres Autors und auch durch ihre unverminderte Aktualität. Das Totemügerli und dessen rätoromanische Kurzvariante bildeten den fulminanten Schluss dieses ebenso gehaltvollen wie humorvollen Programms.