Vernissage der Maturitätsarbeiten
Am 28. Januar war es wieder soweit: 71 Maturandinnen und Maturanden stellten an der Vernissage ihre Maturitätsarbeiten an Marktständen vor. 20 ausgewählte Arbeiten wurden vor Publikum präsentiert.
Am 28. Januar war es wieder soweit: 71 Maturandinnen und Maturanden stellten an der Vernissage ihre Maturitätsarbeiten an Marktständen vor. 20 ausgewählte Arbeiten wurden vor Publikum präsentiert.
Klaudija Kordic
Lehrerin für Deutsch
28. Januar 2026
28. Januar 2026
Die Ausstellung der Maturitätsarbeiten machte eindrucksvoll sichtbar, mit wie viel Kreativität, Neugier und Offenheit sich die diesjährigen Maturandinnen und Maturanden ihren Projekten gewidmet haben. Insgesamt wurden 71 Arbeiten vorgestellt, die ein breites thematisches Spektrum abdeckten – von naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen über gesellschaftliche und politische Themen bis hin zu kulturellen, literarischen, ökologischen und KI-bezogenen Ansätzen.
Bereits im Vorfeld der eigentlichen Ausstellung wurden jene 20 Projekte präsentiert, die eine Auszeichnung erhalten hatten. Die Präsentationen fanden verteilt über das ganze Schulhaus statt und führten das Publikum durch unterschiedliche Räumlichkeiten, darunter Aula, Bibliothek, Vortragssaal und Mensa. Grund dafür war die aussergewöhnlich hohe Zahl prämierter Arbeiten – allen sollte ausreichend Raum und Aufmerksamkeit zuteilwerden. Die jungen Referierenden überzeugten durch ihre Ausdrucksstärke, ihre Auftrittskompetenz und ihr Engagement. Die Vorträge boten nicht nur spannende Unterhaltung, sondern auch zahlreiche neue Einblicke.
Ebenso überzeugend und eloquent präsentierten sich die Schülerinnen und Schüler im direkten Austausch mit dem Publikum: Nach den Vorträgen standen sie bei ihren Postern bereit und erläuterten ihre Projekte mit spürbarer Begeisterung und grosser Fachkenntnis. Ergänzend zu den Plakatausstellungen wurden zahlreiche Exponate gezeigt, die die Arbeiten anschaulich erlebbar machten.
Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zeigten sich angetan und die lebhafte Atmosphäre, geprägt von offenen Gesprächen und anregenden Begegnungen, hielt lange an, so dass viele Besucherinnen und Besucher deutlich länger als geplant verweilten – ein klares Zeichen für die nachhaltige Wirkung der Veranstaltung.
Nachfolgend eine Auswahl der prämierten Arbeiten:
Mit «Die dünne Linie zwischen Tragik und Komik im Humor Franz Kafkas» legte Nathan Steiner (G6h) eine beeindruckende literaturwissenschaftliche Untersuchung vor, in der er Textanalyse, kulturgeschichtliche und religiöse Kontexte sowie theoretische Ansätze zum Humor souverän miteinander verknüpfte. Mit grosser Genauigkeit arbeitete er die feinen tonalen Verschiebungen in Kafkas Prosa heraus und zeigte eindrucksvoll, wie sich lakonische Sprache, groteske Überzeichnung und das «stille Grauen» gegenseitig durchdringen.
Der Frage, wie gut die Schweiz ihre Verpflichtungen aus dem Pariser Abkommen erfüllt, ging Philippa Bisang (G6e) in ihrer Arbeit «Das Pariser Abkommen zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die Schweiz im internationalen Kontext» nach. Sie entwickelte dabei einen eigenen Policy-Index sowie eine Bewertung der Schweizer Klimapolitik anhand eines Ampelsystems. In ihrer Auswertung lieferte sie sinnvolle Handelsempfehlungen, die ihr eine hohe fachliche Kompetenz und auch grosses Engagement attestieren.
Eine kreative und praxisorientierte Arbeit stellt Maximilian Syz’ (G6g) Projekt «Mon parfum, mon identité. Von der Idee zum Flakon : Der Weg zum eigenen Parfüm» dar. Auf dem Weg zu seinem Parfüm setzte sich Maximilian mit historischer Forschung, wissenschaftlicher Analyse und psychologischer Reflexion über Olfaktion und Identität auseinander. Sein finales Produkt besteht nicht nur aus einem ansprechenden Parfüm in einem selbst entworfenen Flakon, sondern auch aus einem Finanzierungsplan und einer eigenen Website.
Sophia Meyer (G6g) widmete sich einem aktuellen medizinischen Thema: „Gendermedizin – zwischen Vorurteil und Zukunftsvision“ stellte die Frage ins Zentrum, inwiefern der historisch gewachsene Androzentrismus – also die Ausrichtung medizinischer Forschung und Praxis am männlichen Körper – bis heute Diagnoseverfahren, Therapieansätze und wissenschaftliche Erkenntnisprozesse beeinflusst. Ihre Arbeit verband medizinische und pharmakologische Perspektiven mit Ansätzen aus der Geschlechtersoziologie und Anthropologie und zeigte damit exemplarisch, wie zeitgemässe, interdisziplinäre Forschung aussehen kann.
Ausgehend von einer sorgfältigen Analyse der historischen Entwicklung der Maturitätsarbeit, ihrer didaktischen Zielsetzungen sowie der systematischen Integration von KI-Funktionen arbeitete Max Böhler (G6h) in «Die Relevanz von Maturaarbeiten im heutigen Zeitalter: Fördern Maturaarbeiten im Zeitalter der künstlichen Intelligenz die Kompetenzen, die sie fördern sollen?» die aktuellen Herausforderungen heraus, die mit dem Verfassen einer Maturaarbeit verbunden sind. Dabei zeigte er gekonnt auf, welche Kompetenzen im Spannungsfeld von Bildung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz heute gefordert und neu verhandelt werden müssen.
Anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums widmete sich Laurent Casagrande (G6g) in seiner Arbeit «Von Zollikon raus in die Welt. Zollikon erinnert an die Anfänge der Täuferbewegung von 1525» nicht nur der lokalen Reformationsgeschichte, sondern setzte diese auch eindrucksvoll in die Praxis um. Er konzipierte und realisierte ein „Täufer-Wochenende“ mit ergänzendem „Täufer-Rundgang“, installierte professionell gestaltete Informationstafeln an historisch relevanten Schauplätzen und kuratierte eine Ausstellung im Ortsmuseum. Darüber hinaus gelang es ihm, auch jüngere Zielgruppen anzusprechen: Mit einem eigens konzipierten Workshop für eine 6. Primarklasse vermittelte er lokale Geschichte auf anschauliche und altersgerechte Weise. Ein aussergewöhnlich engagiertes Projekt.
Der Höhepunkt gleich zu Beginn: Mitten auf dem Gelände des beliebten Zürcher Street-Food-Festivals präsentierten Seraina Matter und Celine Karlen (G6f) letzten Juni ihre Poké Bowls aus einer publikumswirksamen Skigondel heraus und zogen damit viel Aufmerksamkeit auf sich. Dem gelungenen Auftritt gingen zunächst jedoch intensive rechtliche, organisatorische und finanzielle Abklärungen voraus. Hinzu kamen Überlegungen zur Auswahl geeigneter Lieferanten sowie zur sorgfältigen Konzeption des Menüs. Das Zusammenspiel all dieser Faktoren mündete schliesslich in ihrer gemeinsamen Arbeit «The Poké Booth - Ein Street-Food-Konzept zwischen Theorie und Praxis» und in eben jenem beeindruckenden Auftritt auf der Hardturmbrache.